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1. Leit­ge­dan­ken zum Kom­pe­ten­z­er­werb

1.1 Bil­dungs­wert der mo­der­nen Fremd­spra­chen

In ei­ner mo­der­nen und glo­ba­li­sier­ten Welt, die von zu­neh­men­der Mo­bi­li­tät und Ver­net­zung ge­prägt ist, stel­len Fremd­spra­chen­kennt­nis­se ei­ne wich­ti­ge Grund­la­ge für den in­ter­na­tio­na­len Dia­log dar. Sie be­fä­hi­gen den Ein­zel­nen, sich in in­ter­kul­tu­rel­len Kon­tex­ten an­ge­mes­sen zu be­we­gen. In­dem sich Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit sprach­li­cher und kul­tu­rel­ler Viel­falt aus­ein­an­der­set­zen, er­wer­ben sie in­ter­kul­tu­rel­le Hand­lungs­kom­pe­tenz, die sie in die La­ge ver­setzt, mit In­di­vi­du­en und Grup­pen an­de­rer Kul­tu­ren an­ge­mes­sen und re­spekt­voll zu in­ter­agie­ren. Bei der Be­geg­nung mit ei­ner an­de­ren Spra­che wird der Ein­zel­ne mit ei­ner neu­en, ihm zu­nächst un­ge­wohn­ten sprach­li­chen Ord­nung der Welt kon­fron­tiert. Er lernt die­se neue Ord­nung als an­de­re mög­li­che In­ter­pre­ta­ti­on von Welt ken­nen und re­spek­tie­ren. Da­mit un­ter­stützt der Fremd­spra­chen­un­ter­richt in be­son­de­rem Ma­ße die Ent­wick­lung von To­le­ranz und Ak­zep­tanz von Viel­falt und trägt zu ei­nem fried­li­chen Zu­sam­men­le­ben in der Welt bei. In ei­ner in­ter­na­tio­nal ge­präg­ten Wirt­schafts- und Ar­beits­welt stel­len Fremd­spra­chen­kennt­nis­se au­ßer­dem ei­ne wich­ti­ge Vor­aus­set­zung dar, um an­ge­mes­sen auf dem glo­ba­len Markt zu agie­ren.

Ziel ei­nes mo­der­nen Fremd­spra­chen­un­ter­richts ist es des­halb, Schü­le­rin­nen und Schü­ler zu be­fä­hi­gen, sich in der Fremd­spra­che si­cher zu be­we­gen und sich da­bei zu­neh­mend flüs­sig und dif­fe­ren­ziert aus­zu­drü­cken. Fremd­spra­chen zu ler­nen heißt, in frem­de Wel­ten ein­zu­tau­chen und die­se in stei­gen­dem Ma­ße zu ver­ste­hen. Sie er­mög­li­chen es den Ler­nen­den, Wis­sen über frem­de Denk­mus­ter und Hand­lungs­wei­sen zu er­wer­ben und die­se mit den ei­ge­nen zu ver­glei­chen. Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler kön­nen so de­ren kul­tu­rel­le und ge­ge­be­nen­falls auch his­to­ri­sche Be­dingt­heit ver­ste­hen, Ver­ständ­nis und Re­spekt für das Frem­de ent­wi­ckeln und Miss­ver­ständ­nis­se ver­mei­den.

So­zio­kul­tu­rel­les Wis­sen im Zu­sam­men­spiel mit in­ter­kul­tu­rel­ler und funk­tio­na­ler kom­mu­ni­ka­ti­ver Kom­pe­tenz ver­setzt die Schü­le­rin­nen und Schü­ler in die La­ge, künf­tig Aus­lands­auf­ent­hal­te und in­ter­na­tio­na­le Be­geg­nun­gen im Rah­men von Aus­bil­dung, Stu­di­um und Be­ruf so­wie im Pri­vat­le­ben ge­zielt und in­for­miert in die We­ge zu lei­ten und er­folg­reich zu be­wäl­ti­gen. Hier leis­ten die mo­der­nen Fremd­spra­chen ei­nen Bei­trag zur be­ruf­li­chen Ori­en­tie­rung der Schü­le­rin­nen und Schü­ler.

Am Gym­na­si­um er­wirbt je­de Schü­le­rin und je­der Schü­ler Kom­pe­ten­zen in min­des­tens zwei Fremd­spra­chen. Der Ver­gleich von Un­ter­schie­den und Ge­mein­sam­kei­ten för­dert die Ein­sicht in ge­ne­rel­le sprach­li­che Struk­tur­mus­ter und das Ver­ständ­nis von Spra­che als Sys­tem. Die Kennt­nis von Struk­tu­ren ver­schie­de­ner Spra­chen so­wie von Stra­te­gi­en und Me­tho­den des Sprach­er­werbs för­dert dar­über hin­aus das Ler­nen wei­te­rer Fremd­spra­chen jen­seits der schu­li­schen Aus­bil­dung. Nach­den­ken über Spra­che schult die Fä­hig­keit, Hand­lungs­wei­sen, kom­ple­xe­re Sach­ver­hal­te, theo­re­ti­sche Er­kennt­nis­se, Denk­mus­ter und Wert­vor­stel­lun­gen zu durch­drin­gen und in ei­nen in­ter­kul­tu­rel­len Zu­sam­men­hang zu stel­len.

1.2 Kom­pe­ten­zen

In den vor­lie­gen­den Bil­dungs­plä­nen für die mo­der­nen Fremd­spra­chen ist die Aus­bil­dung der in­ter­kul­tu­rel­len kom­mu­ni­ka­ti­ven Kom­pe­tenz das über­ge­ord­ne­te Ziel des Fremd­spra­chen­ler­nens. Der Ge­mein­sa­me eu­ro­päi­sche Re­fe­renz­rah­men (GeR) der Spra­chen von 2001 sieht in die­ser in­ter­kul­tu­rel­len Hand­lungs­fä­hig­keit in un­ter­schied­li­chen Spra­chen den Kern sei­nes Mehr­spra­chig­keits­kon­zepts. Er de­fi­niert für al­le Spra­chen gül­ti­ge Kri­te­ri­en und Ni­veaus, nach de­nen die Sprach­be­herr­schung von Ler­nen­den ein­ge­stuft wer­den kann. Dar­an ori­en­tiert sich der Kom­pe­tenz­auf­bau über die ver­schie­de­nen Klas­sen in den vor­lie­gen­den Bil­dungs­plä­nen für die mo­der­nen Fremd­spra­chen. Die in den Bil­dungs­plä­nen be­schrie­be­nen Kom­pe­ten­zen ent­spre­chen den Vor­ga­ben der „Bil­dungs­stan­dards für die fort­ge­führ­te Fremd­spra­che (Eng­lisch/Fran­zö­sisch) für die All­ge­mei­ne Hoch­schul­rei­fe“ der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz (KMK) von 2012, die zu ei­ner Ver­ein­heit­li­chung der An­for­de­run­gen über die Bun­des­län­der­gren­zen hin­weg füh­ren sol­len.

Zu­sam­men­spiel der Kom­pe­tenz­be­rei­che (© Lan­des­in­sti­tut für Schul­ent­wick­lung)
Zusammenspiel der Kompetenzbereiche

Das Schau­bild ver­deut­licht, dass die Kom­pe­ten­zen, wie sie nach­ein­an­der in den vor­lie­gen­den Bil­dungs­plä­nen auf­ge­führt sind, kei­ne iso­liert zu be­herr­schen­den Ein­zel­fer­tig­kei­ten sind, son­dern viel­mehr in­ein­an­der­grei­fen. So­wohl die pro­zess­be­zo­ge­nen Kom­pe­ten­zen als auch die in­halts­be­zo­ge­nen Kom­pe­ten­zen ste­hen im Dienst der in­ter­kul­tu­rel­len kom­mu­ni­ka­ti­ven Kom­pe­tenz.

Als pro­zess­be­zo­ge­ne Kom­pe­ten­zen wer­den Sprach­be­wusst­heit und Sprach­lern­kom­pe­tenz aus­ge­wie­sen: Zum ei­nen un­ter­stützt die Fä­hig­keit, ei­ne Spra­che – auch die Erst­spra­che – be­wusst zu re­zi­pie­ren und zu ver­wen­den, den Sprach­er­werbs­pro­zess. Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler müs­sen zum an­de­ren in ih­rer Sprach­lern­kom­pe­tenz lang­fris­tig ge­för­dert wer­den, um das ei­ge­ne Spra­chen­ler­nen ziel­ge­rich­tet zu steu­ern. Die­ser Pro­zess be­ginnt be­reits im Fremd­spra­chen­un­ter­richt der Grund­schu­le. Die Ler­nen­den sol­len Stra­te­gi­en und Me­tho­den er­wer­ben, die sie da­zu be­fä­hi­gen, ihr Ler­nen selbst­stän­dig zu or­ga­ni­sie­ren und nach En­de ih­rer Schul­zeit im Sin­ne des le­bens­lan­gen Ler­nens wei­te­re Fremd­spra­chen im au­ßer­schu­li­schen Um­feld zu er­ler­nen. Ei­ne Vor­aus­set­zung da­für be­steht dar­in, dass sie in ih­rer Schul­lauf­bahn all­mäh­lich Ei­gen­ver­ant­wor­tung für ih­ren Lern­pro­zess und ‑zu­wachs über­neh­men. Pro­zess­be­zo­ge­ne Kom­pe­ten­zen kön­nen nicht von den in­halts­be­zo­ge­nen Kom­pe­ten­zen los­ge­löst er­wor­ben wer­den, sie sind nicht ge­stuft und wer­den nicht un­mit­tel­bar ge­prüft. Der aus­ge­wie­se­ne Stand stellt die Ziel­stu­fe dar, die das beim Ab­schluss der Kurs­stu­fe zu er­rei­chen­de Ni­veau be­schreibt.

Die in­halts­be­zo­ge­nen Kom­pe­ten­zen um­fas­sen die als zen­tra­les Ziel aus­ge­wie­se­ne in­ter­kul­tu­rel­le kom­mu­ni­ka­ti­ve Kom­pe­tenz, die funk­tio­na­le kom­mu­ni­ka­ti­ve Kom­pe­tenz und schließ­lich die Text- und Me­di­en­kom­pe­tenz. Vor­aus­set­zung für ei­nen ge­lin­gen­den Kom­pe­tenz­auf­bau ist, dass die Schü­le­rin­nen und Schü­ler an­ge­mes­se­ne sprach­li­che Mit­tel er­wer­ben und re­flek­tie­ren. Für die Rea­li­sie­rung der kom­mu­ni­ka­ti­ven Kom­pe­ten­zen ha­ben sie die­nen­de Funk­ti­on.

Die Text- und Me­di­en­kom­pe­tenz ver­langt den Schü­le­rin­nen und Schü­lern ei­nen kom­ple­xe­ren Um­gang mit Tex­ten ab, der über die rei­ne Text­re­zep­ti­on hin­aus­geht. Sie er­for­dert, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler Tex­te zu­neh­mend tie­fer durch­drin­gen und sich pro­duk­tiv mit ih­nen aus­ein­an­der­set­zen. Die Ler­nen­den sol­len die Fä­hig­keit er­wer­ben, Tex­te zu struk­tu­rie­ren und zu ana­ly­sie­ren, sie zu re­flek­tie­ren und zu be­wer­ten be­zie­hungs­wei­se neu zu ge­stal­ten. In den Bil­dungs­plä­nen der mo­der­nen Fremd­spra­chen wird von ei­nem er­wei­ter­ten Text­be­griff aus­ge­gan­gen. Als Tex­te wer­den dem­nach al­le münd­li­chen, schrift­li­chen und vi­su­el­len Pro­duk­te in ih­rem je­wei­li­gen kul­tu­rel­len und me­dia­len Kon­text ver­stan­den, die ana­log oder di­gi­tal ver­mit­telt wer­den. Von ent­schei­den­der Be­deu­tung für den gym­na­sia­len Fremd­spra­chen­un­ter­richt ist die Aus­ein­an­der­set­zung mit kul­tu­rell ge­präg­ten Deu­tungs­mus­tern. Aus die­sem Grund hat die Be­schäf­ti­gung mit li­te­ra­ri­schen Tex­ten von Au­to­rin­nen und Au­to­ren mit un­ter­schied­li­chem kul­tu­rel­lem Hin­ter­grund dort ei­nen be­son­de­ren Stel­len­wert.

Zur Text- und Me­di­en­kom­pe­tenz zählt dar­über hin­aus, dass die Schü­le­rin­nen und Schü­ler bei ei­ner Re­cher­che dem In­ter­net ziel­ge­rich­tet In­for­ma­tio­nen ent­neh­men und ent­spre­chend der Auf­ga­ben­stel­lung aus­wer­ten kön­nen. Zu­dem ler­nen sie, Tex­te ge­ge­be­nen­falls kri­tisch zu ih­rem me­dia­len Um­feld in Be­zie­hung zu set­zen. Da­mit trägt der mo­der­ne Fremd­spra­chen­un­ter­richt zur Me­di­en­bil­dung bei.

Je­weils zu Be­ginn der in­halts­be­zo­ge­nen Kom­pe­ten­zen wer­den The­men ge­nannt, denn die Schü­le­rin­nen und Schü­ler er­wer­ben die aus­ge­wie­se­nen Kom­pe­ten­zen nicht los­ge­löst von so­zio­kul­tu­rel­lem Wis­sen. Dies ge­schieht viel­mehr in der stän­di­gen Be­geg­nung und Aus­ein­an­der­set­zung mit The­men, die in ih­rer Pro­gres­si­on zu­neh­mend ge­sell­schafts­ori­en­tiert wer­den und ein ver­tief­tes kul­tu­rel­les Ver­ständ­nis zum Ziel ha­ben.

Me­tho­disch-stra­te­gi­sche Teil­kom­pe­ten­zen sind den funk­tio­na­len kom­mu­ni­ka­ti­ven Kom­pe­ten­zen zu­ge­ord­net. Sie sind im Bil­dungs­plan 2016 je­weils am En­de ei­ner Kom­pe­tenz auf­ge­führt und durch ei­ne Zwi­schen­über­schrift kennt­lich ge­macht. Ver­wei­se auf Teil­kom­pe­ten­zen an­de­rer Be­rei­che der Fremd­spra­chen­plä­ne zei­gen, wel­che Teil­kom­pe­ten­zen Grund­la­ge oder sinn­vol­le Er­wei­te­rungs­mög­lich­kei­ten dar­stel­len. Mit den vor­lie­gen­den Ver­wei­sen wird kein An­spruch auf Voll­stän­dig­keit er­ho­ben; sie sind nicht grund­sätz­lich ver­bind­lich, son­dern sol­len zum Quer­le­sen ein­la­den.

Um den Lern­stand, den die Schü­le­rin­nen und Schü­ler laut Bil­dungs­plan aus den vor­he­ri­gen in die nach­fol­gen­den Klas­sen mit­brin­gen sol­len, bes­ser nach­voll­zie­hen zu kön­nen, hat die je­wei­li­ge Teil­kom­pe­tenz über al­le Klas­sen hin­weg die glei­che Num­me­rie­rung. Die Pro­gres­si­on der ein­zel­nen (Teil‑)Kom­pe­ten­zen wird so er­kenn­bar. Mit­un­ter wird ei­ne Teil­kom­pe­tenz ab ei­ner be­stimm­ten Klas­se nicht mehr fort­ge­führt be­zie­hungs­wei­se sie setzt spä­ter ein. In die­sen Fäl­len er­folgt ein kon­kre­ter Hin­weis in der je­wei­li­gen Zei­le. Die Teil­kom­pe­ten­zen wer­den an­hand von Ope­ra­to­ren be­schrie­ben, de­ren je­wei­li­ge Be­deu­tung in der Lis­te im An­hang der Plä­ne de­fi­niert ist. Die de­fi­nier­ten hand­lungs­lei­ten­den Ver­ben die­nen da­zu, al­le sprach­li­chen Ope­ra­tio­nen, die im Lau­fe des Er­werbs al­ler kom­mu­ni­ka­ti­ven Kom­pe­ten­zen er­lernt wer­den, trenn­scharf zu er­fas­sen. Es han­delt sich da­bei nicht um die fremd­sprach­li­chen Prü­fungs­ope­ra­to­ren.

1.3 Bil­dungs­wert des Fachs Rus­sisch

Rus­sisch ist ei­ne der größ­ten Welt­spra­chen und ei­ne der Amts­spra­chen der UNO so­wie Ar­beits­spra­che des Eu­ro­pa­rats. Auch au­ßer­halb Russ­lands ist Rus­sisch in wei­ten Tei­len Ost­eu­ro­pas und Asi­ens gän­gi­ge Ver­kehrs- oder Fremd­spra­che und er­öff­net den Zu­gang zum ge­sam­ten eu­ra­si­schen Sprach- und Kul­tur­raum.

Rus­sisch ist Leit- und Brü­cken­spra­che zur größ­ten eu­ro­päi­schen Sprach­fa­mi­lie, der Fa­mi­lie der sla­wi­schen Spra­chen. Deutsch­land hat von Süd­bay­ern bis zur Ost­see ge­mein­sa­me Gren­zen mit sla­wisch­spra­chi­gen Län­dern, zu de­nen Rus­sisch­kennt­nis­se den Zu­gang er­leich­tern. Rus­sisch­ler­ne­rin­nen und Rus­sisch­ler­ner ent­spre­chen in be­son­de­rem Ma­ße der For­de­rung des Eu­ro­pa­rats nach Mehr­spra­chig­keit, das heißt, dass sich je­der Bür­ger ne­ben sei­ner Mut­ter­spra­che in min­des­tens zwei mo­der­nen Fremd­spra­chen aus­drü­cken kann.

Bei­trag des Fa­ches zu den Leit­per­spek­ti­ven

Der Bei­trag des Fa­ches Rus­sisch zu den Leit­per­spek­ti­ven wird im Fol­gen­den dar­ge­stellt:

  • Bil­dung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung (BNE)
    Der Rus­sisch­un­ter­richt er­wei­tert den Ho­ri­zont der Schü­le­rin­nen und Schü­ler nach Os­ten. Deutsch­land hat tra­di­tio­nell ei­ne Mitt­ler­rol­le zwi­schen Ost und West, wie zahl­rei­che jahr­hun­der­te­lan­ge Be­zie­hun­gen zwi­schen Deut­schen und Sla­wen zei­gen. Auch durch die dy­nas­ti­schen Ver­bin­dun­gen mit Russ­land nimmt Ba­den-Würt­tem­berg ei­ne her­aus­ra­gen­de Stel­lung ein. In Aus­ein­an­der­set­zung mit der oft leid­vol­len ge­mein­sa­men Ge­schich­te von Deut­schen und Rus­sen er­ken­nen die Schü­le­rin­nen und Schü­ler die be­son­de­re Ver­ant­wor­tung bei­der Län­der für ein dau­er­haf­tes, fried­li­ches Zu­sam­men­le­ben al­ler Län­der Eu­ro­pas.
    Im Rus­sisch­un­ter­richt set­zen sich die Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit ei­nem Land, das ein Sieb­tel der Land­flä­che der Er­de ein­nimmt, aus­ein­an­der. Da­bei wer­den sie mit The­men wie dem Um­gang mit Res­sour­cen, dem Kli­ma­wan­del und den Fol­gen ei­ner zu­neh­men­den Glo­ba­li­sie­rung kon­fron­tiert und er­ken­nen die Be­deu­tung zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen En­ga­ge­ments und po­li­ti­schen Han­delns für die Zu­kunft.
  • Bil­dung für To­le­ranz und Ak­zep­tanz von Viel­falt (BTV)
    Mi­gran­ten mit Wur­zeln in den Nach­fol­ge­staa­ten der ehe­ma­li­gen So­wjet­uni­on und ei­nem ent­spre­chen­den rus­sisch­spra­chi­gen Hin­ter­grund stel­len ne­ben Mi­gran­ten tür­ki­scher Her­kunft die größ­te Mi­gran­ten­grup­pe in Deutsch­land dar. Rus­sisch als Fremd­spra­che kann da­zu bei­tra­gen, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit und oh­ne Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund ein­an­der bes­ser ver­ste­hen und In­te­gra­ti­ons­pro­ble­me ver­mie­den wer­den. Die Aus­ein­an­der­set­zung mit Rus­sisch als der Staats­spra­che ei­ner mul­ti­lin­gua­len Fö­de­ra­ti­on kann dar­über hin­aus in­ter­kul­tu­rel­les Ver­ste­hen för­dern. So trägt das Fach Rus­sisch zur Ent­wick­lung von Em­pa­thie für An­de­re und zu To­le­ranz und Ak­zep­tanz von Viel­falt bei. Auch die Be­schäf­ti­gung mit der wech­sel­vol­len Ge­schich­te bei­der Län­der vom 19. bis 21. Jahr­hun­dert kann den Ab­bau von Vor­ur­tei­len för­dern.
  • Prä­ven­ti­on und Ge­sund­heits­för­de­rung (PG)
    In­dem die Schü­le­rin­nen und Schü­ler fremd­sprach­li­che Lern­stra­te­gi­en und ‑tech­ni­ken ein­üben, er­le­ben sie sich in ih­rem Han­deln als zu­neh­mend ei­gen­stän­dig und selbst­wirk­sam. Ba­sis der Kom­mu­ni­ka­ti­on sind hier­bei Wert­schät­zung und lö­sungs­ori­en­tier­te Pro­blem­be­wäl­ti­gung.
  • Be­ruf­li­che Ori­en­tie­rung (BO)
    Der Rus­sisch­un­ter­richt ver­mit­telt jun­gen Men­schen Fer­tig­kei­ten und Kom­pe­ten­zen für Stu­di­um und Be­ruf in ei­nem nach Os­ten er­wei­ter­ten Eu­ro­pa. Das Ein­üben, An­wen­den und Wei­ter­ent­wi­ckeln von Tech­ni­ken, Me­tho­den und Stra­te­gi­en in den ein­zel­nen Be­rei­chen des Rus­sisch­un­ter­richts sind für Bil­dung und Be­ruf von gro­ßer Be­deu­tung. Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler er­wer­ben Ost­eu­ro­pa­kom­pe­tenz und ver­bes­sern da­durch ih­re be­ruf­li­chen Zu­kunfts­chan­cen.
  • Me­di­en­bil­dung (MB)
    Den Schü­le­rin­nen und Schü­lern wer­den un­ter an­de­rem mit­hil­fe di­gi­ta­ler Me­di­en Kom­pe­ten­zen ver­mit­telt, die sie in ei­nem mo­der­nen Eu­ro­pa der of­fe­nen Gren­zen und welt­weit für Kon­tak­te be­nö­ti­gen. Sie wer­den zu ei­ner re­flek­tier­ten und ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten Nut­zung of­fi­zi­el­ler und op­po­si­tio­nel­ler Me­di­en an­ge­lei­tet.
  • Ver­brau­cher­bil­dung (VB)
    Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler ler­nen un­ter­schied­li­che All­tags‑, Ess- und Kon­sum­kul­tu­ren ken­nen und re­flek­tie­ren den Wert res­sour­cen­scho­nen­den Ver­brau­cher­ver­hal­tens im Ver­gleich zu post­so­wje­ti­schen Län­dern.

1.4 Di­dak­ti­sche Hin­wei­se

En­de Klas­se 10 er­rei­chen die Schü­le­rin­nen und Schü­ler das GeR-Ni­veau B1+. Wenn sie das Fach im An­schluss als fort­ge­führ­te Fremd­spra­che bis zum Ab­itur be­le­gen, er­wei­tern sie ih­re Kom­pe­ten­zen auf das GeR-Ni­veau B2.

Der kom­mu­ni­ka­ti­ve An­satz des schu­li­schen Fremd­spra­chen­ler­nens sieht vor, dass der Un­ter­richt über­wie­gend in der Fremd­spra­che statt­fin­det und ei­ne Viel­zahl au­then­ti­scher Be­geg­nun­gen in der Fremd­spra­che er­mög­licht, zum Bei­spiel durch den Ein­satz au­then­ti­scher, auch me­di­al ver­mit­tel­ter Tex­te und durch die Ein­be­zie­hung au­ßer­schu­li­scher Lern­or­te, zum Bei­spiel Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen und Schü­ler­be­geg­nun­gen.

Im Rus­sisch­un­ter­richt kön­nen die Lern­grup­pen be­son­ders he­te­ro­gen sein, da oft An­fän­ger und Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit rus­sisch­spra­chi­gem Hin­ter­grund in un­ter­schied­li­cher Aus­prä­gung ge­mein­sam un­ter­rich­tet wer­den. Dies stellt für die Lehr­kräf­te im Hin­blick auf die Bin­nen­dif­fe­ren­zie­rung ei­ne be­son­de­re Her­aus­for­de­rung dar. Da­bei kann der Ein­satz von Fremd­spra­chen­as­sis­ten­tin­nen und ‑as­sis­ten­ten sinn­voll sein.

Der kom­pe­tenz­ori­en­tier­te Fremd­spra­chen­un­ter­richt führt stu­fen­wei­se zur kom­mu­ni­ka­ti­ven Hand­lungs­fä­hig­keit der Schü­le­rin­nen und Schü­ler.

Er be­darf der Auf­ga­ben­ori­en­tie­rung, die von den Schü­le­rin­nen und Schü­lern ver­langt, die ein­zel­nen Teil­kom­pe­ten­zen ziel­ge­rich­tet im Zu­sam­men­spiel an­zu­wen­den.

Im An­fangs­un­ter­richt ist be­son­ders auf das Er­ler­nen und Üben der kor­rek­ten Schreib­schrift zu ach­ten.

Sie kann be­son­ders gut mit­hil­fe von in­ter­na­tio­na­lem Wort­schatz im Rus­si­schen ein­ge­übt wer­den (an­de­re Fremd­spra­chen, Deutsch).

Die För­de­rung des Le­se­ver­ste­hens und des Hör‑/Hör­seh­ver­ste­hens sind vom ers­ten Lern­jahr an von gro­ßer Be­deu­tung. Es ist dar­auf zu ach­ten, be­reits von Be­ginn an auch au­then­ti­sche Tex­te ein­zu­set­zen.

Die münd­li­che Sprach­kom­pe­tenz ist be­son­ders zu för­dern. Ih­re Be­deu­tung wird durch die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­prü­fung im Ab­itur do­ku­men­tiert. Kom­mu­ni­ka­ti­ves Trai­ning soll­te so oft wie mög­lich in Schü­ler-Schü­ler-In­ter­ak­tio­nen statt­fin­den (For­men der Part­ner- und Grup­pen­ar­beit).

Sprach­mitt­lung spielt als über­grei­fen­de Kom­pe­tenz ei­ne be­son­de­re Rol­le, da sie die Schü­le­rin­nen und Schü­ler be­fä­higt, in in­ter­kul­tu­rel­len Si­tua­tio­nen Ver­stän­di­gung zu er­mög­li­chen und in kon­tro­ver­sen Si­tua­tio­nen zu ver­mit­teln (BTV). Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler kön­nen da­bei auf be­reits in an­de­ren Fä­chern er­wor­be­ne Stra­te­gi­en zu­rück­grei­fen.

Bei der sprach­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on hat der kor­rek­te Ge­brauch gram­ma­ti­scher Struk­tu­ren ei­ne zwar die­nen­de, aber den­noch kom­mu­ni­ka­tiv re­le­van­te Be­deu­tung. Häu­fi­ges Trai­ning in der Schu­le so­wie re­gel­mä­ßi­ges, selbst­re­gu­lier­tes Üben au­ßer­halb des Un­ter­richts sind da­her un­ver­zicht­bar (PG). Da­bei ist ein do­sier­ter Ein­satz von di­gi­ta­len Me­di­en ge­mäß der Leit­per­spek­ti­ve „Me­di­en­bil­dung“ (MB) sinn­voll und hilf­reich.

Beim ge­sam­ten Sprach­er­werb ist der re­flek­tier­te und se­lek­ti­ve Um­gang mit Me­di­en ei­ne Schlüs­sel­qua­li­fi­ka­ti­on, die jun­gen Men­schen den Weg in die mo­der­ne In­for­ma­ti­ons­ge­sell­schaft eb­net (MB, BO).



1.5 Ba­sis­fach und Leis­tungs­fach in der Ober­stu­fe

In der gym­na­sia­len Kurs­stu­fe kön­nen die Schü­le­rin­nen und Schü­ler das Fach Rus­sisch als Ba­sis­fach oder als Leis­tungs­fach be­le­gen.

In der Aus­ein­an­der­set­zung mit li­te­ra­ri­schen und nicht­li­te­ra­ri­schen Tex­ten und Me­di­en er­wei­tern die Schü­le­rin­nen und Schü­ler ih­re fremd­sprach­li­chen Kom­pe­ten­zen und da­mit auch ih­re in­ter­kul­tu­rel­le Hand­lungs­kom­pe­tenz.

Ba­sis­fach und Leis­tungs­fach un­ter­schei­den sich hin­sicht­lich des Kom­ple­xi­täts- und Abs­trak­ti­ons­gra­des der Tex­te und The­men so­wie hin­sicht­lich der Brei­te, Tie­fe und Dif­fe­ren­ziert­heit der Auf­ga­ben­be­ar­bei­tung.

Am En­de der Kurs­stu­fe er­rei­chen al­le Schü­le­rin­nen und Schü­ler die Ni­veau­stu­fe B2 des Ge­mein­sa­men Eu­ro­päi­schen Re­fe­renz­rah­mens (GeR).

Die in 1.4 ge­nann­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­prü­fung gilt in die­ser Form nur für das Leis­tungs­fach. Im Ba­sis­fach be­steht die Mög­lich­keit ei­ner münd­li­chen Ab­itur­prü­fung.


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