1.1 Bildungswert der modernen Fremdsprachen
In einer modernen und globalisierten Welt, die von Mehrsprachigkeit und kultureller Vielfalt geprägt ist, stellen Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Handlungsfähigkeit eine wichtige Grundlage für die gesellschaftliche Teilhabe dar. Sie befähigen Lernende, sich in interkulturellen Kontexten angemessen zu bewegen und als kulturelle Mittlerinnen und Mittler zu agieren. Indem Schülerinnen und Schüler ihre plurilinguale Sprachbiografie (zum Beispiel Herkunftssprache(n), bereits erlernte Sprache(n), Dialekte, Register) reflektieren und sich mit sprachlicher und kultureller Vielfalt auseinandersetzen, erwerben sie interkulturelle Handlungskompetenz. Diese versetzt sie in die Lage, mit Individuen und Gruppen unterschiedlicher Kulturen angemessen und respektvoll zu interagieren. Die Begegnung mit einer anderen Sprache konfrontiert die Lernenden mit einer neuen, ihnen zunächst ungewohnten sprachlichen Ordnung der Welt. Durch eine reflektierte Auseinandersetzung mit Weltsichten, Werten und Identitäten im Fremdsprachenunterricht lernen Schülerinnen und Schüler diese neue Ordnung als weitere mögliche Interpretation von Welt kennen und respektieren. Damit unterstützt der Fremdsprachenunterricht in besonderem Maße die Entwicklung von Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt sowie von demokratischen Haltungen und trägt zu einem friedlichen Zusammenleben in der Welt bei. In einer international geprägten Wirtschafts-, Arbeits- und Lebenswelt stellen Fremdsprachenkenntnisse außerdem eine wichtige Voraussetzung dar, um angemessen global zu agieren.
Ziel eines modernen Fremdsprachenunterrichts ist es deshalb, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, sich in der Fremdsprache sicher zu bewegen und sich dabei zunehmend flüssig und differenziert auszudrücken. Fremdsprachen zu lernen heißt, in neue Welten einzutauchen und diese immer besser zu verstehen. Sie ermöglichen es den Lernenden, sich bislang unbekannter Denkmuster und Handlungsweisen bewusst zu werden (cultural awareness) und diese mit den eigenen zu vergleichen. Die Schülerinnen und Schüler können so deren kulturelle und gegebenenfalls auch historische Bedingtheit verstehen, Verständnis und Respekt für unterschiedlich kulturell geprägte Perspektiven entwickeln und Missverständnisse vermeiden.
Soziokulturelles Wissen im Zusammenspiel mit interkultureller und funktionaler kommunikativer Kompetenz versetzt die Schülerinnen und Schüler in die Lage, künftig Auslandsaufenthalte und internationale Begegnungen im Rahmen von Ausbildung, Studium und Beruf sowie im Privatleben gezielt und informiert in die Wege zu leiten und erfolgreich zu bewältigen.
Der Vergleich sprachlicher Strukturmuster fördert das Verständnis von Sprache als System. Darüber hinaus unterstützt der Fremdsprachenunterricht die Fähigkeit, auf der Basis von Erlerntem Neues zu erschließen. Somit fördert er das Erlernen weiterer Fremdsprachen im Sinne der Erweiterung der plurilingualen Kompetenz und des lebenslangen Fremdsprachenlernens. Nachdenken über Sprache schult die Fähigkeit, Handlungsweisen, komplexere Sachverhalte, theoretische Erkenntnisse, Denkmuster und Wertvorstellungen zu durchdringen und in einen interkulturellen Zusammenhang zu stellen.
1.2 Kompetenzen
In den vorliegenden Bildungsplänen für die modernen Fremdsprachen ist die Ausbildung der interkulturellen kommunikativen Kompetenz das übergeordnete Ziel des Fremdsprachenlernens. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GER, 2001) und sein Begleitband (2020) sehen in dieser interkulturellen Handlungsfähigkeit in unterschiedlichen Sprachen den Kern ihres Mehrsprachigkeitskonzepts. Der GER definiert für alle Sprachen gültige Kriterien und Niveaus, nach denen die Sprachbeherrschung von Lernenden eingestuft werden kann. Der Kompetenzaufbau über die verschiedenen Klassen richtet sich in den vorliegenden Bildungsplänen für die modernen Fremdsprachen daran aus. Die in den Bildungsplänen beschriebenen Kompetenzen orientieren sich an den „Bildungsstandards für die fortgeführte Fremdsprache (Englisch/Französisch) für die Allgemeine Hochschulreife“ der Kultusministerkonferenz (KMK, 2012) und bilden die „Bildungsstandards für die erste Fremdsprache (Englisch/Französisch) für den Ersten Schulabschluss und den Mittleren Schulabschluss“ (KMK, 2023) ab, die zu einer Vereinheitlichung der Anforderungen über die Bundesländergrenzen hinweg führen sollen.
Das Schaubild verdeutlicht, dass die Kompetenzen, wie sie nacheinander in den vorliegenden Bildungsplänen aufgeführt sind, keine isoliert zu beherrschenden Einzelfertigkeiten sind, sondern vielmehr ineinandergreifen. Sowohl die prozessbezogenen Kompetenzen als auch die inhaltsbezogenen Kompetenzen stehen im Dienst der interkulturellen kommunikativen Kompetenz.
Als prozessbezogene Kompetenzen werden Sprachbewusstheit, Sprachlernkompetenz und die fremdsprachenspezifische digitale Kompetenz ausgewiesen: Zum einen unterstützt die Fähigkeit, eine Sprache – auch die Herkunftssprache(n) – bewusst zu rezipieren und zu verwenden, den Spracherwerbsprozess. Die Schülerinnen und Schüler müssen zum anderen in ihrer Sprachlernkompetenz langfristig gefördert werden, um das eigene Sprachenlernen zielgerichtet zu steuern. Dieser Prozess beginnt bereits im Fremdsprachenunterricht der Grundschule. Die Lernenden sollen Strategien und Methoden erwerben, die sie dazu befähigen, ihr Lernen selbstständig zu organisieren und nach Ende ihrer Schulzeit im Sinne des lebenslangen Lernens weitere Fremdsprachen im außerschulischen Umfeld zu erlernen. Eine Voraussetzung dafür besteht darin, dass sie in ihrer Schullaufbahn allmählich Eigenverantwortung für ihren Lernprozess und -zuwachs übernehmen. Im Zuge der digitalen Transformation haben spezifische Kompetenzen wie Kollaboration, Kreativität, kritisches Denken und Kommunikation an Bedeutung gewonnen. Sie erfordern eine Schulung der Lernenden im Umgang mit digitaler Kommunikation in der Fremdsprache und mit digitalen Hilfsmitteln zur Unterstützung von Sprachlernprozessen. Diese prozessbezogene fremdsprachenspezifische digitale Kompetenz wird im Fremdsprachenunterricht gefördert.
Prozessbezogene Kompetenzen können nicht von den inhaltsbezogenen Kompetenzen losgelöst erworben werden, sie sind nicht gestuft und werden nicht unmittelbar geprüft. Der ausgewiesene Stand stellt die Zielstufe dar, die das beim Abschluss der Oberstufe zu erreichende Niveau beschreibt.
Die inhaltsbezogenen Kompetenzen umfassen die als zentrales Ziel ausgewiesene interkulturelle kommunikative Kompetenz, die funktionale kommunikative Kompetenz und schließlich die Text- und Medienkompetenz. Voraussetzung für einen gelingenden Kompetenzaufbau ist, dass die Schülerinnen und Schüler in einem aufgabenorientierten Unterricht angemessene sprachliche Mittel erwerben, indem sie diese wahrnehmen, in der Anwendung einüben und reflektieren. Dabei sollen lexikogrammatische Einheiten eine stärkere Rolle spielen. Für die Realisierung der kommunikativen Kompetenzen haben die sprachlichen Mittel dienende Funktion.
Die Text- und Medienkompetenz verlangt den Schülerinnen und Schülern einen komplexeren Umgang mit Texten ab, der über die reine Textrezeption hinausgeht. Sie erfordert, dass Schülerinnen und Schüler Texte zunehmend tiefer durchdringen und sich produktiv mit ihnen auseinandersetzen. Die Lernenden sollen die Fähigkeit erwerben, Texte zu strukturieren und zu analysieren, sie zu reflektieren und zu bewerten beziehungsweise neu zu gestalten. In den Bildungsplänen der modernen Fremdsprachen wird von einem erweiterten Textbegriff ausgegangen. Als Texte werden demnach alle mündlichen, visuellen und multimodalen Produkte in ihrem jeweiligen kulturellen und medialen Kontext verstanden, die analog oder digital vermittelt werden. Von entscheidender Bedeutung für den gymnasialen Fremdsprachenunterricht ist die Auseinandersetzung mit kulturell geprägten Deutungsmustern. Aus diesem Grund hat die Beschäftigung mit literarischen Texten von Autorinnen und Autoren mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund dort einen besonderen Stellenwert.
In interkulturellen Kommunikationssituationen kommt der Mediation als integrativer Kompetenz eine wichtige Bedeutung zu: Über die Sprachmittlung zwischen verschiedenen Sprachen hinaus beinhaltet das Konzept der Mediation auch eine soziokulturelle Komponente. Das heißt, Mediationssituationen können sich nicht nur zwischen zwei Sprachen, sondern auch innerhalb einer Sprache (zum Beispiel zwischen Varietäten oder in Form einer Vereinfachung) ergeben.
Jeweils zu Beginn der inhaltsbezogenen Kompetenzen werden im Bildungsplan Themen genannt, denn die Schülerinnen und Schüler erwerben die ausgewiesenen Kompetenzen nicht losgelöst von soziokulturellem Wissen. Dies geschieht vielmehr in der ständigen Begegnung und Auseinandersetzung mit Themen, die in ihrer Progression zunehmend gesellschaftsorientiert werden und ein vertieftes kulturelles Verständnis zum Ziel haben.
Methodisch-strategische Teilkompetenzen sind den funktionalen kommunikativen Kompetenzen zugeordnet. Sie sind jeweils am Ende einer Kompetenz aufgeführt und durch eine Zwischenüberschrift kenntlich gemacht. Verweise auf Teilkompetenzen anderer Bereiche der Fremdsprachenpläne zeigen, welche Teilkompetenzen Grundlage oder sinnvolle Erweiterungsmöglichkeiten darstellen. Mit den vorliegenden Verweisen wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben; sie sind nicht grundsätzlich verbindlich, sondern sollen zum Querlesen einladen.
Um den Lernstand, den die Schülerinnen und Schüler laut Bildungsplan aus den vorherigen in die nachfolgenden Klassen mitbringen sollen, besser nachvollziehen zu können, hat die jeweilige Teilkompetenz über alle Klassen hinweg die gleiche Nummerierung. Die Progression der einzelnen (Teil-)Kompetenzen wird so erkennbar. Mitunter wird eine Teilkompetenz ab einer bestimmten Klasse nicht mehr fortgeführt beziehungsweise sie setzt später ein. In diesen Fällen erfolgt ein konkreter Hinweis in der jeweiligen Zeile. Die Teilkompetenzen werden anhand von Operatoren beschrieben, deren jeweilige Bedeutung in der Liste im Anhang der Pläne definiert ist. Die definierten handlungsleitenden Verben dienen dazu, sämtliche sprachliche Operationen, die im Laufe des Erwerbs aller kommunikativen Kompetenzen erlernt werden, trennscharf zu erfassen. Es handelt sich dabei nicht um die fremdsprachlichen Prüfungsoperatoren.
1.3 Bildungswert des Faches Italienisch
Italien ist für die Bundesrepublik Deutschland nicht nur kulturell, sondern auch politisch und wirtschaftlich von großer Bedeutung:
Beide Länder zählen zu den sechs Gründungsmitgliedern der Europäischen Gemeinschaft, beide haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg von Diktaturen zu demokratischen Staaten entwickelt und einstige Feindseligkeiten überwunden. Sie zählen heute zu den überzeugten Befürwortern der europäischen Idee.
Doch nicht nur politisch, auch wirtschaftlich sind Deutschland und Italien eng miteinander verbunden: In der Rangfolge der Handelspartner der Bundesrepublik steht Italien an prominenter Stelle. Baden-Württemberg pflegt intensive Handelsbeziehungen zu Italien und hat zudem mit der Lombardei und der Emilia-Romagna zwei Zugpferde der italienischen Wirtschaft als Partnerregionen. Fremdsprachenkenntnisse sind daher auch im Hinblick auf die Berufswahl der Schülerinnen und Schüler von großem Vorteil.
Über eine halbe Million Italienerinnen und Italiener lebt in der Bundesrepublik. Etwa ein Drittel davon ist in Deutschland geboren. Die italienische Alltagskultur – in Bereichen wie Gastronomie, Design und Mode – ist aus unseren Städten und Gemeinden nicht wegzudenken. Umgekehrt reisen jedes Jahr Millionen von Deutschen nach Italien, um dort ihre Ferien zu verbringen. Sie stellen damit über ein Drittel aller Urlauberinnen und Urlauber des Bel Paese.
Dieses Interesse kommt nicht von ungefähr: Italien ist aufgrund seiner geschichtlichen Entwicklung das Land mit den meisten Welterbestätten, die Hauptstadt Rom ist das Zentrum der katholischen Christenheit. Italien war immer wieder Vorreiter bei gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen, sowohl die mittelalterliche als auch die Kunst der Renaissance nahmen hier ihren Ausgang, seit Goethe ist eine Italienreise ein Muss unter Kunstinteressierten. Außerdem unterhalten zahlreiche Landkreise, Städte und Gemeinden Baden-Württembergs intensive partnerschaftliche Beziehungen mit italienischen Provinzen und Gemeinden.
1.3.1 Beitrag des Faches zu den Leitperspektiven und zur Demokratiebildung
In welcher Weise das Fach Italienisch einen Beitrag zu den Leitperspektiven leistet, wird im Folgenden dargestellt:
- Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
Die Leitperspektive „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ enthält das zentrale Anliegen der Auseinandersetzung mit wachsenden globalen und sozialen Herausforderungen. Italien mit seinen regionalen Gegensätzen, seinem Kampf gegen die organisierte Kriminalität und seiner langen Migrationsgeschichte bietet der heranwachsenden Generation vielfältige unterrichtliche Anknüpfungspunkte, um die Bedeutung von innovativen Lebens- und Gesellschaftsentwürfen zu erkennen.
Gerade in der Auseinandersetzung mit Sachtexten werden im Italienischunterricht auch gesellschaftlich relevante Fragen gestellt und diskutiert. Dadurch wird nicht nur das Urteilsvermögen der Schülerinnen und Schüler gestärkt, sondern auch ein differenziertes Textverständnis gefördert, das notwendig ist, um die Fähigkeit zu demokratischer Teilhabe, Mitwirkung und Mitbestimmung im Sinne der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ zu fördern. - Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt (BTV)
In der Begegnung mit der Zielkultur erfahren die Schülerinnen und Schüler Diversität als Bereicherung und können gleichzeitig mit dem offenen Blick auf die unterschiedlichen kulturellen Besonderheiten persönliche Standpunkte erkennen und eigene Wertvorstellungen formulieren. Das Fach Italienisch bietet vielfältige Gelegenheiten, um über die grundlegenden Themen der Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ wie Ehe und Familie, friedliches Zusammenleben, Weltanschauung, Menschenwürde oder Religion miteinander ins Gespräch zu kommen, darüber zu reflektieren und schließlich zu einer eigenen Position zu gelangen. - Prävention und Gesundheitsförderung (PG)
Der Italienischunterricht ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, mit Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern in Kontakt zu treten und in realen und virtuellen Kommunikationssituationen Beziehungen aufzubauen, einander in wertschätzender Kommunikation zu begegnen und lösungsorientiert Konflikte zu bewältigen. Dies ist ein wichtiger Beitrag, um sich als Teil einer Gemeinschaft wahrzunehmen und als Mitglied einer Gruppe Kommunikation aktiv mitzugestalten. Darüber hinaus werden Lernstrategien und Arbeitsmethoden im Italienischunterricht vermittelt und eingeübt. Damit soll unterstützt werden, dass sich die Schülerinnen und Schüler in ihrem Lernen und Handeln als eigenständig und selbstwirksam erleben können. Die hier genannten Aspekte tragen zum eigenen Wohlbefinden bei und realisieren das Anliegen der Leitperspektive „Prävention und Gesundheitsförderung“. - Berufliche Orientierung (BO)
Aufgrund der intensiven wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland können Italienischkenntnisse von großem Nutzen sein. Der Unterricht eröffnet den Schülerinnen und Schülern Perspektiven im Hinblick auf Praktika, Ausbildung, Studium und Beruf und trägt somit zur Beruflichen Orientierung der Heranwachsenden bei. - Leben und Lernen in einer digitalisierten Welt (LDW)
In der heutigen vernetzten Welt ist der sichere, kritische und verantwortungsvolle Umgang mit Medien von besonderer Bedeutung. Der Italienischunterricht leistet einen Beitrag zur Leitperspektive „Leben und Lernen in einer digitalisierten Welt“. Zum einen geschieht dies durch den ständigen Umgang mit traditionellen und digitalen Medien bei der Kommunikation, deren Ausgangspunkt unter anderem unterschiedlichste Formen von Texten in der Fremdsprache darstellen. Zum anderen erfordern Text- und Medienanalyse, die Gestaltung und Zielsetzung von italienischen Texten zu deuten und kritisch zu reflektieren. Außerdem lernen die Schülerinnen und Schüler, in italienischen Quellen zu recherchieren, die Urheberrechte zu beachten und Informationen weiterzuverarbeiten. Sie erweitern und festigen gegebenenfalls mit digitalen Hilfsmitteln sowohl ihr soziokulturelles Orientierungswissen als auch ihre sprachlichen Kompetenzen. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf den kritischen und zielgerichteten Umgang mit Digitalität gelegt. - Verbraucherbildung (VB)
Die Leitperspektive „Verbraucherbildung“ hat die Entwicklung eines selbstbestimmten und verantwortungsbewussten Verbraucherverhaltens zum Ziel. Sie ist ein zentrales Element, das auf aktuelle wie auch künftige Herausforderungen im Privat- und Berufsleben vorbereitet. Die Schülerinnen und Schüler reflektieren konsumbezogene Themen und erwerben Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Konsumverhalten in Alltagssituationen. Im Italienischunterricht eignen sich die Themen der Verbraucherbildung für die Information und Konversation über die landesspezifischen Alltags‑, Ess- und Konsumkulturen. - Demokratiebildung (D)
Der Fremdsprachenunterricht bietet eine besondere Chance zur Förderung der Demokratiebildung. Im Fach Italienisch hat die altersgerechte Auseinandersetzung mit der Kultur Italiens und weiterer italophoner Gebiete, zum Beispiel in der Schweiz, das Ziel, die Bereitschaft zum interkulturellen Dialog aufzubauen. Dabei erhalten Schülerinnen und Schüler Zugang zu grundlegenden Kenntnissen über gesellschaftlich-politische Aspekte (zum Beispiel Religion, Regierungsform, Diversität, Antimafiabewegung, …) sowie geschichtliche und aktuelle Ereignisse in Italien und gegebenenfalls weiteren italophonen Gebieten. Sprachliche Kompetenzen unterstützen das Erlernen einer respektvollen Gesprächskultur, die für konstruktive Diskussionen und Kompromisse unerlässlich ist. Darüber hinaus sensibilisiert die Beschäftigung mit zielsprachigen Texten für unterschiedliche Meinungen und Lebenskonzepte. Praktische Umsetzungsmöglichkeiten wie Diskussionen zu aktuellen und altersgerechten Themen (zum Beispiel soziale Medien, Engagement/ volontariato , Migration) oder die Teilnahme an internationalen Austauschen oder Projekten (wie zum Beispiel e-Twinning oder Erasmus+) stärken die Verantwortung und die Partizipation junger Menschen in einer globalisierten Welt.
1.4 Didaktische Hinweise
Der Erwerb des Italienischen als dritte Fremdsprache kann auf den bereits vorhandenen Sprachlernerfahrungen und Lernstrategien der Schülerinnen und Schüler aufbauen. Sie verfügen nicht nur durch vielfältige Erfahrungen mit dem Fremdsprachenerwerb, sondern auch durch Erfahrungen mit unterschiedlichen Registern, Dialekten und gegebenenfalls auch Herkunftssprache(n) über einen fortgeschrittenen Grad an Sprachbewusstheit. Letztere erwächst aus der bewussten Auseinandersetzung mit verschiedenen Sprachen und kulturell geprägten Sprachhandlungen. Ihre Vorerfahrungen unterstützen die Schülerinnen und Schüler dabei, ihre plurilinguale und inter- beziehungsweise plurikulturelle Kompetenz mit immer größerer Selbstständigkeit auszubauen. So erreichen sie in einem wesentlich kürzeren Zeitraum ein vergleichbares Kompetenzniveau wie in ihrer ersten Fremdsprache. Darüber hinaus wird mit dem Erlernen der italienischen Sprache eine Grundlage für den Erwerb weiterer romanischer Fremdsprachen geschaffen.
Im Mittelpunkt des Italienischunterrichts steht der systematische Aufbau der Kommunikationsbereitschaft und ‑fähigkeit der Schülerinnen und Schüler in altersgemäßen Lernsituationen. Bis zum Ende von Klasse 10 erreichen die Schülerinnen und Schüler annähernd das Niveau B1, bis zum Ende von Klasse 11 annähernd das Niveau B1+ und bis zum Ende der Klasse 13 im Allgemeinen das Niveau B2 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für das Lehren und Lernen von Sprachen.
Der Erwerb der Zielsprache erfolgt nach dem Prinzip der aufgeklärten Einsprachigkeit. Die Schülerinnen und Schüler nutzen dabei die Zielsprache zunehmend als Unterrichtssprache im Umgang miteinander und mit der Lehrkraft. Grundlage der Sprachvermittlung ist die italienische Gegenwartssprache, wie sie heute von den nationalen Rundfunk- und Fernsehanstalten sowie von der Presse verwendet wird. Der Kontakt mit der italienischen Sprache an außerschulischen Lernorten wird – wo immer möglich – gefördert, damit die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit erhalten, die Lebenswirklichkeit Italiens unmittelbar zu erfahren, zum Beispiel durch Austauschmaßnahmen oder andere Begegnungen mit Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern.
In einem handlungs- und produktionsorientierten Unterricht werden die Schülerinnen und Schüler befähigt, mit italophonen Sprecherinnen und Sprechern zu kommunizieren. Auf der Ebene des Umgangs mit Fehlern ist insgesamt für den Lernprozess eine Erläuterung der Gründe für einen bestimmten Verstoß hilfreich. Äußern sich Schülerinnen und Schüler spontan mündlich, sollten ausgewählte Fehler behutsam korrigiert werden. Bei der Bewertung dürfen die Schülerinnen und Schüler nicht an Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern gemessen werden, sondern an dem für die Klasse ausgewiesenen Lernstand. Das bedeutet, dass die sprachliche Korrektheit nicht das ausschließliche Bewertungskriterium ist, sondern auch die Verständlichkeit und zunehmende Flüssigkeit sowie das Ausdrucksvermögen zu berücksichtigen sind.
Entdeckendes Lernen, selbst angeeignetes Wissen und Lernen durch Lehren vervollständigen den Kompetenzaufbau. Durch vielfältiges – in der Regel kommunikativ orientiertes – Üben festigen sie ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, entwickeln erworbene Lernstrategien weiter, schulen ihre Befähigung zur Selbstevaluation und entwickeln ihre Lernerautonomie.
Lehrwerke werden in der Regel bundeslandunabhängig konzipiert. Aus diesem Grund ist es erforderlich, das eingesetzte Lehrwerk mit dem gültigen Bildungsplan und dem Lernstand der Schülerinnen und Schüler abzugleichen. Dies kann zur Folge haben, dass Teile nicht unterrichtet werden beziehungsweise das Lehrwerk ergänzt werden muss, um die Anforderungen des jeweiligen Bildungsplans zu erfüllen. Darüber hinaus ist es aus Gründen der Motivation und Aktualität notwendig, lehrwerksunabhängige und – zunehmend – authentische Materialien zu verwenden. Lehrwerksteile können aber auch über zunächst noch didaktisierte Ganzschriften und/oder Filmsequenzen abgedeckt werden.
Schulisches Fremdsprachenlernen erfordert eine konsequente, systematische und nachhaltige Schulung sowie eine beständige Erweiterung der einzelnen (Teil-)Kompetenzen. Die sich stetig vertiefende und vernetzende Erweiterung der lexikalischen und grammatischen beziehungsweise lexikogrammatischen Kompetenzen geht damit einher. Auch die intensive Förderung des Hör-/Hörsehverstehens, des Leseverstehens und der mündlichen Sprachkompetenz sowie der schriftlichen Ausdrucksfähigkeit ist zentral. Rezeptive und produktive Kompetenzen verbinden sich im Bereich der Mediation.
Bereits beim frühen Spracherwerb stehen Lexik und Grammatik in einem engen Zusammenhang. Häufig vorkommende lexikalische Einheiten mit bestimmten grammatischen Markierungen werden dem lexikogrammatischen Ansatz entsprechend schneller korrekt produziert, wenn sie als ganze gelernt werden. Im Anfangsunterricht sollen die Schülerinnen und Schüler daher einen Grundstock hochfrequenter ein- und mehrgliedriger Einheiten erwerben, die es ihnen ermöglichen, einfache Kommunikationssituationen des Alltags zu bewältigen. Diese Basis wird im weiteren Verlauf des Unterrichts in der Sekundarstufe I thematisch ergänzt und differenziert, sodass die Schülerinnen und Schüler mit Erreichen des Niveaus B1 über ein breites Repertoire an Redemitteln verfügen, das es ihnen erlaubt, relativ spontane mündliche und schriftliche Beiträge zu ihnen vertrauten Themen zu formulieren. Der Aufbau expliziter grammatischer Kenntnisse erfolgt nach Möglichkeit unter Rückgriff auf bereits eingeführte lexikogrammatische Einheiten, die die Funktion von Prototypen erhalten. Neues wird spiralcurricular an die Vorkenntnisse angebunden. Der Bildungsplan wird dem insofern gerecht, als komplexere frequente Strukturen (zum Beispiel der Nebensatz Se io fossi in te mit einem congiuntivo imperfetto) zunächst rezeptiv erworben und gegebenenfalls lexikalisch als Chunk produziert werden. Später können sie damit auch leichter produktiv erworben, geübt und genutzt werden.
Im Allgemeinen ist die Reflexion über grammatische Strukturen ein wichtiger Baustein für die Entwicklung der Sprachbewusstheit und Sprachlernkompetenz.
Um die Schülerinnen und Schüler kommunikativ handlungsfähig zu machen, ist es unabdingbar, die verschiedenen (Teil‑) Kompetenzen zusammenzuführen. Nur auf diese Weise wird man der Komplexität der kommunikativen Handlungsfähigkeit gerecht. Der methodische Ansatz der Aufgabenorientierung trägt dieser Komplexität Rechnung. In der Bewältigung lebensweltlich relevanter Zielaufgaben zeigen die Schülerinnen und Schüler, dass sie die unterschiedlichen (Teil‑) Kompetenzen in realitätsnahen Kommunikationssituationen miteinander verbunden anwenden können. Ebenso komplex sind in der Oberstufe analytische und gestaltende Aufgaben, die bereits in der Mittelstufe angebahnt werden und die Studierfähigkeit zum Ziel haben.
1.5 Basisfach und Leistungsfach in der Oberstufe
In der gymnasialen Oberstufe können die Schülerinnen und Schüler das Fach Italienisch als Basisfach oder als Leistungsfach belegen.
In der Auseinandersetzung mit literarischen und nichtliterarischen Texten und Medien erweitern die Schülerinnen und Schüler ihre fremdsprachlichen Kompetenzen und damit auch ihre interkulturelle Handlungskompetenz.
Basisfach und Leistungsfach unterscheiden sich hinsichtlich des Komplexitäts- und Abstraktionsgrades der Texte und Themen sowie hinsichtlich der Breite, Tiefe und Differenziertheit der Aufgabenbearbeitung.
Am Ende der Oberstufe erreichen alle Schülerinnen und Schüler die Niveaustufe B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER), sofern sie die Leistungskriterien erfüllen.