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1. Leitgedanken zum Kompetenzerwerb

1.1 Bildungswert des Faches Informatik

Informatik ist eine Wissenschaft, die strukturwissenschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Komponenten verbindet. Sie beschäftigt sich dazu systematisch mit Konzepten zur Darstellung, Verarbeitung, Strukturierung und zum Transport von Informationen und nutzt diese Konzepte für die Entwicklung von Informatiksystemen.

Die Informatik stellt heute einen organischen Teil vieler anderer Disziplinen dar und hat diese in kurzer Zeit verändert. Alltägliches Handeln wird ebenso von diesen Informatiksystemen gesteuert wie die lebensnotwendige Grundversorgung in den Bereichen Energie, Logistik, Transport und Kommunikation. Kinder und Jugendliche bewegen sich also in einer zunehmend digitalisierten Welt. Durch die Digitalisierung ist eine weitere Dimension der realen Welt und des Zusammenlebens entstanden.

Einerseits haben viele nur durch die Informatik ermöglichten Anwendungen (wie zum Beispiel Navigationssysteme, Wissensdatenbanken, Kommunikationsplattformen, Unterhaltungselektronik, Streamingdienste, Onlineshopping, Onlinebanking, Cloud-Computing, Mobiles Internet, Automatisierte Fertigung, Sicherheitssysteme, Assistenzsysteme, Medizintechnik) unser Leben bereichert und vereinfacht. Andererseits birgt es auch Gefahren, wenn die automatisierte und algorithmengesteuerte Verarbeitung von Informationen durch massenhaftes Erheben und Verknüpfen von Daten bereits so in den Alltag integriert ist, dass eine Beeinflussung durch deren Prognosen und Handlungsempfehlungen häufig nicht mehr wahrgenommen wird.

Ziel des Informatikunterrichts ist es, dass Schülerinnen und Schüler ein Verständnis für Hintergründe, Mechanismen und Funktionsweisen von informatischen Systemen entwickeln. Dabei ist es von großer Bedeutung, nicht nur zu wissen, wie Anwendungen genutzt werden, sondern auch ihre Funktionsweise zu verstehen. Bei der Erstellung von informatischen Produkten erleben die Schülerinnen und Schüler, wie sie selbst gestalterisch tätig werden können und erfahren ihre Selbstwirksamkeit. Ein Bewusstsein für die Existenz und Relevanz der Beeinflussungen durch informatische Systeme sowie die Erfahrung, informatische Systeme selbst mitgestalten zu können, tragen dazu bei, dass sie als mündige Bürgerinnen und Bürger in der Gesellschaft verantwortungsvoll Entscheidungen treffen können.

Beitrag des Faches zu den Leitperspektiven

In welcher Weise das Fach Informatik einen Beitrag zu den Leitperspektiven leistet, wird im Folgenden dargestellt:

  • Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
    Der Informatikunterricht fördert verantwortungsvolles und nachhaltiges Denken und Handeln. Als Grundlagenfach leistet Informatik einen Beitrag zur Leitperspektive Bildung für nachhaltige Entwicklung, indem stets technische, anwendungsbezogene und gesellschaftliche Komponenten miteinander verknüpft werden. Die ständigen Weiterentwicklungen der technischen Möglichkeiten finden in der Regel sehr schnell Eingang in das alltägliche Leben und verändern das Verhalten der Menschen. Oft werden sie ein fester Bestandteil des Alltags, ohne dass zuvor von der Gesellschaft die Chancen und Risiken reflektiert wurden. Nur ein Verständnis der technischen Hintergründe erlaubt es, fundierte Aussagen zur ethischen Bewertung der Neuerungen zu treffen und zu sachlichen Begründungen zu kommen.
  • Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt (BTV)
    Sämtliche digitalen Systeme (zum Beispiel Medizintechnik, Fahrzeuge, Schließsysteme, Geldverkehr, Kommunikationsplattformen) haben Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben. Dabei sind bei deren Entwicklung individuelle Bedeutungen für verschiedene gesellschaftliche Gruppen einschließlich Minderheiten (Menschen mit Behinderung, Angehörige verschiedener Länder und Ethnien, sexueller Orientierungen, Religionen etc.) zu berücksichtigen.
    Neue technische Möglichkeiten bieten neben einer Reihe von Chancen jedoch immer auch Möglichkeiten für Missbrauch: Zum Beispiel stellt das Internet eine umfassende Ressource für Information dar und ermöglicht die weltweite Kommunikation und Vernetzung von Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung und Weltanschauung. Minderheiten haben eine Plattform, um auf sich aufmerksam zu machen, und auch eine unabhängige Berichterstattung aus totalitären Staaten ist möglich. Bestimmte Interessengruppen nutzen diese Technologien jedoch auch, um Meinungen und Ansichten zu verstärken, zu beeinflussen oder zu manipulieren. Ein gezielter Einfluss auf die öffentliche Meinung ist eine Gefahr für die Akzeptanz von gesellschaftlicher Vielfalt und fördert Vorurteile und Klischees. Nur wenn die Schülerinnen und Schüler die Strukturen des Internets und die dahinter stehenden technischen Möglichkeiten verstehen, können sie Informationen angemessen bewerten.
  • Prävention und Gesundheitsförderung (PG)
    Die zunehmende Durchdringung aller Lebensbereiche mit Informatiksystemen führt zu einer Vielzahl neuer Chancen, aber auch Risiken, die im Informatikunterricht situationsbezogen aufgegriffen werden können. Im Informatikunterricht werden die Schülerinnen und Schüler an einen verantwortungsvollen Umgang mit Computern und mobilen Endgeräten herangeführt. Sie nutzen die im Alltag größtenteils zum Medienkonsum verwendeten mobilen Endgeräte und Informatiksysteme als Arbeitsmittel und werden so befähigt, von der Rolle des reinen Konsumenten in die Rolle des bewusst Handelnden und Gestaltenden zu treten. Dies fördert die Selbstwirksamkeit in einer zusehends konsumorientierten Gesellschaft und trägt zur Entwicklung und Stärkung der Persönlichkeit von Schülerinnen und Schülern bei.
  • Berufliche Orientierung (BO)
    In den letzten Jahren hat sich aufgrund der Entwicklungen in der Informationstechnologie ein Wandel in der Berufswelt vollzogen. Einige klassische Berufsbilder verlieren an Bedeutung, Ausbildungen werden um informatische Inhalte ergänzt und es wurden völlig neue Berufsfelder geschaffen. Der Wirtschaftsstandort Deutschland wäre in seiner heutigen Form ohne digitalisierte und automatisierte Geschäftsprozesse undenkbar. Die Leitperspektive Berufliche Orientierung und die Informatik bilden eine wertvolle Symbiose. Die Schülerinnen und Schüler lernen im Informatikunterricht verschiedene Anwendungsfelder der Informatik kennen. Er befähigt sie, in ihrem späteren Beruf die digitalen Werkzeuge reflektiert auszuwählen und einzusetzen. Sie lernen, wie Informatik die moderne Gesellschaft prägt, und werden befähigt, diese selbst mitzugestalten. Durch eine frühzeitige Interessenbildung ermöglicht der Informatikunterricht einen geschlechtsneutralen Zugang zur Arbeitswelt und räumt mit stereotypen Sichtweisen von informatiknahen Berufsbildern auf.
  • Medienbildung (MB)
    Auch die Informatik trägt zur Medienbildung bei. Während sich andere Schulfächer in der Regel mit der Nutzung bestehender Systeme beschäftigen, schult der Informatikunterricht das Verständnis der Funktionsweise dieser Systeme und befähigt die Schülerinnen und Schüler zu einer reflektierten und verantwortungsbewussten Nutzung der eingesetzten Systeme.
    Nur ein Verständnis der hinter den Anwendungsprogrammen stehenden informatischen Grundkonzepte führt zu produkt- und versionsunabhängigem Konzeptwissen, welches die Schülerinnen und Schüler befähigt, auch in Zukunft neuen Anforderungen kompetent begegnen zu können. Der Informatikunterricht legt die Grundlagen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten und sensibilisiert Schülerinnen und Schüler, die Rechte anderer zu wahren und ihre eigenen Daten zu sichern.
  • Verbraucherbildung (VB)
    Der Erwerb von Waren und Dienstleistungen findet zunehmend über das Internet statt. Dabei werden Kunden personalisierte Angebote aufgrund von gesammelten Daten unterbreitet. Das Wissen über die Erhebung der Daten und über die Wirkungsweisen der dahinterstehenden Systeme befähigt Schülerinnen und Schüler, reflektiert Konsumentscheidungen zu treffen. Schülerinnen und Schüler erfahren im Informatikunterricht, dass kostenlose Angebote oft dadurch finanziert werden, dass im Gegenzug persönliche Daten zur Verfügung gestellt werden, die von Unternehmen gewinnbringend verwertet werden.

1.2 Kompetenzen

Die Auswirkung der Digitalisierung auf gesellschaftliche Entwicklungen hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Daher ist die Befähigung der Schülerinnen und Schüler, ihr Leben in einer Informationsgesellschaft selbstbestimmt führen und gestalten zu können und auch auf zukünftige Entwicklungen und die damit verbundenen Fragestellungen vorbereitet zu sein, nur durch den Erwerb entsprechender Kompetenzen erreichbar.

Zentrale Konzepte der Informatik

Grundlage für die Ausweisung von Kompetenzen sind zentrale Konzepte der Informatik. Dabei nehmen Konzepte des Informatischen Denkens (Computational Thinking) einen großen Anteil ein. Diese beschreiben den Prozess, ein Problem und die zur Verfügung stehenden Daten zu untersuchen, spezifische Muster zu erkennen, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden und damit eine Lösung zu entwickeln, die so präzise beschrieben wird, dass sie leicht immer wieder ausgeführt werden kann. Wichtige Lösungsstrategien sind „Zerlegung in Teilprobleme“, „Abstrahieren“, „Mustererkennung“ und „Algorithmisierung“. An den Prozess der Problemlösung schließen sich Reflexion und Bewertung der Ergebnisse an. Diese Vorgehensweisen sind typisch für die Informatik, können aber auch in anderen Disziplinen angewendet werden.

Die im Bildungsplan formulierten Kompetenzen stellen die Umsetzung dieser Konzepte im Informatikunterricht dar. Diese sind in zwei Bereiche unterteilt:

  • Prozessbezogene Kompetenzen
  • Inhaltsbezogene Kompetenzen

Ein zeitgemäßer Informatikunterricht berücksichtigt dabei stets die Verknüpfung von inhaltsbezogenen und prozessbezogenen Kompetenzen.



Zentrale Konzepte der Informatik in den prozessbezogenen und inhaltsbezogenen Kompetenzen (Grafik: A. Mittag)

Prozessbezogene Kompetenzen

Prozessbezogene Kompetenzen beschreiben im Bildungsplan Kompetenzen, die über alle Schuljahre eines Faches in einem längeren Prozess erworben werden. Im Falle von Informatik liegt die besondere Situation vor, dass informatische Inhalte über verschiedene Fächer verteilt sind, die einen jeweils eigenen Fachplan innerhalb der Bildungspläne haben. Die prozessbezogenen Kompetenzen im vorliegenden Fachplan können nur den Zeitraum von Klasse 7 abdecken. Daher werden die meisten der genannten prozessbezogenen Kompetenzen in diesem Zeitraum nicht abschließend erworben, sondern können nur angebahnt werden.

Die prozessbezogenen Kompetenzen gliedern sich in vier Kompetenzbereiche:

  • Strukturieren und Vernetzen
  • Modellieren und Implementieren
  • Kommunizieren und Kooperieren
  • Analysieren und Bewerten

Strukturieren und Vernetzen
Die Informatik als Strukturwissenschaft beschäftigt sich mit der Strukturierung von Daten und Prozessen (Algorithmen). Große Datenmengen können nur dann automatisiert und effizient verarbeitet werden, wenn sie in einer geeigneten Struktur vorliegen. Auch Algorithmen sind letztendlich Strukturen aus elementaren Bausteinen. Anhand von einfachen Beispielen lernen die Schülerinnen und Schüler zunächst grundlegende Bausteine und Strukturen von Algorithmen kennen. Komplexere Problemstellungen können in einzelne Teilprobleme aufgeteilt werden, die oft für sich einfacher lösbar sind. Zerlegungen erhöhen zudem die Übersichtlichkeit und ermöglichen es, die Teillösungen in anderen Kontexten wiederzuverwenden. Die einzelnen Handlungsschritte werden anschließend chronologisch geordnet und zu einer Gesamtlösung vereint.

Modellieren und Implementieren
Um reale oder konstruierte Probleme lösen zu können, müssen sie zunächst aufbereitet werden. So können Details weggelassen werden, wenn sie für die Lösung irrelevant sind, oder sie müssen weggelassen werden, um ein Problem überhaupt beherrschbar zu machen. In den zur Verfügung stehenden Informationen müssen Regelmäßigkeiten, Wiederholungen, Ähnlichkeiten oder Gesetzmäßigkeiten erkannt werden, um charakteristische und verallgemeinerbare Bestandteile zu abstrahieren. Danach werden Abläufe, Daten und Beziehungen in informatischen Modellen dargestellt. Die Schülerinnen und Schüler implementieren Algorithmen in einer geeigneten Programmierumgebung und testen ihre Programme auf Fehler und die Ergebnisse auf Realitätsrelevanz.

Kommunizieren und Kooperieren
Die Schülerinnen und Schüler dokumentieren ihre Arbeitsschritte und (Teil‑)Ergebnisse und bedienen sich dabei fachlicher Terminologie und geeigneter Visualisierungen. Nur dann können Lösungen beziehungsweise Lösungswege von anderen nachvollzogen werden. Sie bearbeiten geeignete Problemstellungen arbeitsteilig und verwenden dabei vorhandene Infrastruktur zur Kommunikation und Zusammenarbeit (zum Beispiel Tauschlaufwerk, Clouddienste).

Analysieren und Bewerten
Die Analyse von Sachverhalten findet im Informatikunterricht auf unterschiedlichen Ebenen statt. So analysieren die Schülerinnen und Schüler Aufgabenstellungen, vorliegenden Programmcode, das Verhalten von Systemen mit unbekanntem inneren Aufbau (black box) sowie die gesellschaftlichen Auswirkungen von informatischen Systemen. Mit der Lösung eines Problems ist der Arbeitsprozess in der Informatik in der Regel nicht abgeschlossen. Beim Reflexionsprozess werden Lösungen mit der Ausgangssituation verglichen und gegebenenfalls Überlegungen zur Verbesserung angestellt. Dies führt zur Bewertung und Überarbeitung der Lösungen. Problemlösen ist in der Informatik ein iterativer Prozess, der am Ende zu einer optimierten Lösung führt. In der Regel gibt es nicht nur eine richtige Lösung, sondern eine Vielzahl möglicher Umsetzungen. Darüber hinaus bewerten die Schülerinnen und Schüler die Auswirkung informatischer Anwendungen, Strukturen und Denkweisen auf die Gesellschaft sowie deren Sinnhaftigkeit.

Inhaltsbezogene Kompetenzen

Informatik beschäftigt sich mit der Darstellung, der automatischen Verarbeitung, Speicherung und Übertragung von Informationen. Dabei ist die Repräsentation der Information in Form von digitalen Daten Voraussetzung für deren weitere automatisierte Verarbeitung. Diese Prinzipien sind die Grundlage für die Gliederung der inhaltsbezogenen Kompetenzen.

Daten und Codierung
Codierungsvorschriften beschreiben, wie Informationen in ein standardisiertes Format gebracht werden können. Bei der Untersuchung von alltäglichen Codierungen werden Elemente der zugrundeliegenden Codierungsvorschriften herausgearbeitet. Daraus lassen sich allgemeine Muster ableiten. Sie führen die (De‑)Codierung von Bildern und Texten auf die (De‑)Codierung von Zahlen im Binärsystem zurück.

Algorithmen
Schülerinnen und Schüler lernen algorithmische Grundbausteine und Kontrollstrukturen anhand von Arbeitsabläufen aus ihrer Erfahrungswelt kennen und können sie dann zur Lösung von Problemen einsetzen. Informatische Modelle erleichtern das Verständnis des Aufbaus von Algorithmen.
Die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass ein Algorithmus auch für variierende Problemstellungen (zum Beispiel unterschiedliche Anfangswerte, Benutzerinteraktion) geeignet sein muss. Sie müssen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser variierenden Problemstellungen erkennen, um passende Algorithmen zu entwerfen.

Rechner und Netze
Neben dem Rechner als algorithmenverarbeitende Maschine lernen die Schülerinnen und Schüler den Rechner als Teilnehmer in Netzen kennen. Die Vernetzung von Rechnern bildet die Grundlage verteilten Arbeitens und moderner Kommunikation. Neben Konzepten der Datenübertragung ist das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Komponenten der verteilten Anwendung entscheidend.

Informationsgesellschaft und Datensicherheit
In der Informationsgesellschaft muss jeder Einzelne die Verantwortung für seine Daten im Hinblick auf Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und Integrität übernehmen. Dazu gehören zum einen der rechtliche Rahmen im Umgang mit eigenen und fremden personenbezogenen Daten und Bildern wie auch der sichere Umgang damit. Einfache Verschlüsselungsverfahren zeigen die Prinzipien der Kryptologie. Die Analyse von verschlüsselten Texten wird zum Brechen einfacher Verschlüsselungsverfahren genutzt. Es wird deutlich, dass nur die Vermeidung von Schwachstellen zu sicheren Verschlüsselungsverfahren führen kann.

1.3 Didaktische Hinweise

In Klasse 7 kommen die Schülerinnen und Schüler zum ersten Mal systematisch mit Informatik in Berührung. Die Verbindung von Alltagserfahrungen mit dem Verständnis informatischer Konzepte und Strukturen steht als übergeordnetes Ziel über den einzelnen Kompetenzen und insbesondere über Fertigkeiten im Umgang mit Werkzeugen.

Anfangsunterricht
Die Schülerinnen und Schüler verfügen bereits über vielfältige Erfahrungen und Fragestellungen, hinter denen informatische Prinzipien stecken und für welche die Schülerinnen und Schüler bisher keine fundierten Erklärungsansätze haben. Hier bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, Alltagserfahrungen zu thematisieren und informatische Konzepte beziehungsweise deren Auswirkungen sichtbar zu machen. Die Bedeutungen formaler Definitionen werden oft hinter das Verständnis von Ideen treten, manche Konzepte können im Anfangsunterricht auch nur angebahnt und von Schülerinnen und Schülern erahnt werden. Begrifflichkeiten und theoretischer Unterbau sollten im Anfangsunterricht nur soweit vertieft werden, als sie zur Lösung von im Unterricht altersangemessen behandelbaren Problemstellungen nötig sind.

Differenzierung
Für Schülerinnen und Schüler ist der Aufbaukurs Informatik die erste systematische Begegnung mit informatischen Themen. Grundlegende Konzepte der Informatik stehen im Mittelpunkt des Unterrichts und viele Begriffe und Zusammenhänge werden zunächst propädeutisch behandelt. Aus diesem Grund unterscheiden sich die Ausformulierungen der Niveaustufen einiger Teilkompetenzen nur geringfügig, die Differenzierung erfolgt dann über entsprechende Komplexität der Beispiele und die schülergerechte Ausgestaltung des konkreten Unterrichts.

Variation von Problemstellungen
In besonderer Weise bietet der informatische Zugang zur Problemlösung auch die Möglichkeit, über die Grenzen der ursprünglichen Aufgabenstellung hinaus zu denken. Durch veränderte Anforderungen, Rahmenbedingungen oder Variation der Problemgröße werden informatische Lösungskonzepte verdeutlicht, nachvollziehbar gemacht oder hinterfragt. Fragestellungen der Art „Wie hätte man es anders machen können?“, „Ist die gefundene Lösung optimal?“ oder „Wo enden die Einsatzbereiche der gefundenen Lösung?“ gehören zum Standardrepertoire des Informatikunterrichts.

Geschlechtsneutraler Informatikunterricht
Schülerinnen und Schüler besitzen oftmals diffuse Vorstellungen von Informatik und deren Aufgabenbereichen und bringen Rollenklischees mit, die sich dann im Unterricht widerspiegeln. Diese Problematik wird im Informatikunterricht aufgegriffen: Programmierbeispiele und Übungen werden so gewählt, dass sie in gleichem Maße Jungen und Mädchen ansprechen. Bei der Problemlösung werden schülerspezifische Herangehensweisen berücksichtigt, planvolle und probierende Vorgehensweisen ergänzen sich sinnvoll.

Aktuelle Bezüge
Schülerinnen und Schüler werden in alltäglichen Situationen oder in den Nachrichten mit informatischen Themen konfrontiert. Dies reicht von zunächst unerklärbarem Verhalten (zum Beispiel Fehlermeldungen) beim Bedienen von Endgeräten bis zu Nachrichten über technische Entwicklungen oder Zwischenfälle im Zusammenhang mit Informatiksystemen. Viele dieser aktuellen Ereignisse bieten geeignete Anknüpfungsmöglichkeiten, um sowohl die informatisch-technologischen Aspekte als auch die Auswirkungen auf Individuum und Gesellschaft zu beleuchten.

Informatik in Industrie und Berufswelt
Fast alle Elemente entlang einer Wertschöpfungskette sind zunehmend miteinander vernetzt. Daher weisen immer mehr Berufsfelder informatische Bezüge auf und für viele Berufe ist inzwischen ein grundlegendes Verständnis informatischer Konzepte notwendig. An geeigneten Beispielen von Industriezweigen oder Berufsbildern können Schülerinnen und Schüler dies kennenlernen.

Programmieren
Programmieren als Realisierung von Ideen in Software als schöpferischer und produktiver Prozess ist ein wesentlicher Bestandteil des Informatikunterrichts. Die Schülerinnen und Schüler entwerfen Problemlösungen, die auf grundlegenden Programmierbausteinen basieren und erfahren so, dass die Lösung nicht in den Bausteinen selbst, sondern hauptsächlich in der Art und Weise ihrer Anordnung liegt. Grundsätzlich bieten Programmieraufgaben die Chance, dass Schülerinnen und Schüler die Arbeitsergebnisse anhand des Programmablaufs beziehungsweise ‑ergebnisses selbstständig und unabhängig von der Lehrkraft überprüfen können. Hier ist eine behutsame Heranführung durch die Lehrkraft erforderlich, damit die Schülerinnen und Schüler lernen, diese objektive Rückmeldung zur Weiterentwicklung ihrer Lösung zu nutzen.

Programmierumgebung
Die Entscheidung für eine geeignete Programmiersprache beziehungsweise Programmierumgebung sollte stets nach Gesichtspunkten der altersangemessenen Vermittlung informatischer Konzepte erfolgen. Textuelle Programmiersprachen stellen durch strenge syntaktische Vorgaben gerade für Programmieranfängerinnen und ‑anfänger eine hohe Herausforderung dar. Didaktische Programmierumgebungen mit zum Beispiel blockbasierten Sprachen ermöglichen im Anfangsunterricht eine Fokussierung auf die algorithmischen Bausteine (Anweisungen, Kontrollstrukturen) und deren Zusammenspiel durch Strukturierung. Die Möglichkeit eines ansprechenden grafischen Outputs hat für Schülerinnen und Schüler einen hohen Aufforderungscharakter und motiviert dazu, eigene Ideen umzusetzen, birgt jedoch auch die Gefahr, dass algorithmische Strukturen zugunsten der grafischen Ausgestaltung in den Hintergrund treten.
Die Programme sollen hierbei nicht auf einen rein linearen Ablauf (zum Beispiel Animation von Geschichten) beschränkt sein, da dies das Einüben der algorithmischen Kontrollstrukturen nicht fördert. Eine geeignete Aufgabenstellung kann hier entsprechende Vorgaben schaffen.

Informatik mit und ohne Rechnereinsatz
Die Beschäftigung mit informatischen Inhalten geschieht nicht ausschließlich mit digitalen Endgeräten. Die Vermittlung mithilfe von „unplugged“-Elementen (zum Beispiel Nachspielen mit geeigneten Gegenständen, in Papierform, durch Rollenspiele) kann dazu beitragen, die Kernidee informatischer Konzepte in den Vordergrund zu rücken und Ablenkungen, die im Umgang mit Werkzeugen oft unvermeidlich sind, zu reduzieren.

Projektartiges Arbeiten
Der Informatikunterricht bietet den Schülerinnen und Schülern handlungs- und problemorientierte Unterrichtssituationen, in denen sie erworbene Kompetenzen und erlerntes Wissen anwenden können. Ein Programmierprojekt in begrenztem zeitlichen Umfang ist – bei geeigneter Aufgabenstellung – schon im Anfangsunterricht in Klasse 7 möglich und fördert insbesondere den Aufbau prozessbezogener Kompetenzen. Der Rahmen für die Aufgabenstellung muss so von der Lehrkraft vorgegeben werden, dass sowohl die fachlichen Anforderungen als auch die zu erwartende Bandbreite an Ideen der Schülerinnen und Schüler darin Platz finden.

Sächliche Ausstattung und Infrastruktur
Bei der Konzeption des Unterrichts sind stets die örtlichen Gegebenheiten (unter anderem räumliche Lösung, Endgeräte, Infrastruktur) zu berücksichtigen. Grundsätzlich ist eine Umsetzung der Inhalte des Aufbaukurses Informatik mit digitalen Endgeräten selbstverständlich. Der Einsatz von Software, Lernplattformen etc. muss dabei individuell auf vorhandene Strukturen und Ausstattung abgestimmt werden. Dem Umgang mit der Infrastruktur kommt dabei die Rolle eines Werkzeuges zu. Dieses soll gegenüber der Vermittlung informatischer Inhalte in den Hintergrund treten. Wie Werkzeuge in der einzelnen Unterrichtsstunde eingesetzt werden, ist in der jeweiligen didaktischen Konzeption zu überprüfen.



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